Extrakorporale Stoßwellentherapie in der Veterinärmedizin

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) ist ursprünglich für die Zerstörung von Nierensteinen in der Humanmedizin entwickelt worden und wird heutzutage auch zur Therapie von orthopädischen Erkrankungen wie Tennis-Ellenbogen, Fersensporn oder Pseudoarthrosen eingesetzt. Seit einigen Jahren wird diese Behandlungsform in der Pferdemedizin bei Problemen am Bewegungsapparat angewendet. So z. B. bei Insertionsdesmopathien des M. interosseus medius sowie Sehnen- und Bandläsionen mit und ohne Verkalkungen an oberflächlicher und tiefer Beugesehne (OBS/TBS), am Unterstützungsband der TBS, am M. biceps brachii und M. interosseus medius und bei osteoporotischen Veränderungen der Gleichbeine bzw. Sesamoiditis. Stoßwellen sind physikalisch definiert als starke Druckwellen, die in elastischen Medien wie Gasen, Flüssigkeiten oder festen Körpern durch Explosionen, Blitze oder andere Phänomene, die extreme Druckveränderungen hervorrufen, erzeugt werden. Sie unterscheiden sich von Schallwellen (z. B. Ultraschallwellen) darin, dass die mechanischen Spannungen und Drucke in der Wellenfront sehr hohe Werte annehmen. Die Wirkung von Stoßwellen ist an Grenzflächen zwischen zwei Geweben mit großem Dichteunterschied besonders stark. Da die Wirkungsweise der Stoßwellen noch nicht restlos geklärt ist, existieren drei Hypothesen, die die Wirkmechanismen zu erklären versuchen: Die Gate-Control-Theory postuliert, dass die Stoßwellen durch Hyperstimulation von Axonen einen analgetischen Effekt induzieren. Es wird angenommen, dass die Schmerzschwelle durch Überflutung und Blockierung der Nervenleitungen zum ZNS erhöht wird. Nach einer anderen Theorie wird durch Stoßwellen die Vaskularisierung des behandelten Gewebes erhöht. Es kommt zur Permeabilitätsänderung, zur Anregung metabolischer Prozesse und durch die Bildung von freien Radikalen mit einhergehender Veränderung des chemischen Milieus zur vermehrten Bildung von schmerzhemmenden Substanzen. Neuere Studien weisen auf die Revaskularisierungtheorie als grundlegenden Wirkmechanismus hin. Hiernach kommt es durch die massiven Druckveränderungen im Fokusvolumen zu Mikrotraumen an harten Oberflächen (Knochen), die zu einer vermehrten Durchblutung und somit zur Verbesserung des Gewebestoffwechsels führen. Als Nebenwirkungen der ESWT gelten Rötungen der Haut an der Einkoppelungsstelle. Gelegentlich entstehen in diesem Bereich auch Hämatome. Die Nebenwirkungen auf Nervengewebe scheinen unbedeutsam zu sein, trotzdem sollten nach Möglichkeit größere Nervenstränge sowie Blutgefäße geschont werden. Der bei hohen Stoßwellenenergien auftretende schädigende Effekt führt zur Anregung der Osteogenese (therapeutische Anwendung bei Pseudoarthrose). Zusätzlich gilt, dass kein Lungengewebe und keine gasgefüllten Darmschlingen im unmittelbaren Fokusvolumen liegen dürfen. Zur Erzeugung von Stoßwellen stehen verschiedene Systeme zur Verfügung. Beim Elektrohydraulischen System (Equitron TM , High Medical Technologies, Lengwil) führt die Entladung einer Hochspannung zwischen zwei Elektrodenspitzen in einem Wasserbad zu einem Funkenüberschlag. Geschieht dieses in einem geformten Therapiekopf, können die Wellen in einer Fokuszone gebündelt werden. Beim Elektromagnetischen System (Minilith SL1, Storz Medical, Kreuzlingen) fließt ein starker Stromimpuls durch eine Spule und erzeugt ein elektromagnetisches Feld. Je nach Anordnung der Spule (Flach- oder Zylinderspule) wird eine im Wasser befindliche Membran in Schwingung versetzt. Die dadurch entstehenden Wasserwellen können durch geometrisch geeignete Reflektorformen gebündelt werden. Beim Piezoelektrischen System (Piezoson 300, Treier, Beromünster) wird ein Hochspannungsimpuls an im Wasserbad befindliche Piezokristall-Elemente gelegt. Diese dehnen sich für eine sehr kurze Zeit aus oder ziehen sich zusammen und produzieren damit eine Druckwelle, die durch die geeingnete Anordnung der Kristalle fokussiert werden kann. Das ballistische System (Swiss DolorClast ® Vet, EMS, Konstanz) dagegen erzeugt keine eigentlichen Stoßwellen, sondern lediglich sich radiär ausbreitende Druckwellen. Da diese nicht fokusiert werden, wird die größte Energiedichte an der Hautoberfläche erreicht. Entscheidend für die Leistung einer Stoßwelle ist die erzielte Energie (Druck) pro Flächeneinheit im Fokusgebiet. Heutige Stoßwellengeräte besitzen eine zigarrenformähnliche Fokuszone mit einer Breite von 2,2–7,2 mm und einer axialen Länge von 15–60 mm. Um die Energieflussdichte an die Gegebenheiten des zu behandelnden Organes sowie an die Toleranzschwelle des Patienten und an den Therapieerfolg angleichen zu können, werden niederenergetische (bis ca. 0,12 mJ/mm 2 ), mittelenergetische (bis ca. 0,28 mJ/mm 2 ) und hochenergetische (bis ca. 0,4 mJ/mm 2 ) Stoßwellen eingesetzt. Die niederenergetischen Wellen werden in der Regel zur reinen Schmerztherapie verwendet. Hierbei müssen oft mehrere Behandlungen in Abständen von ein bis zwei Tagen durchgeführt werden. Auch Sialolithen können mit diesen Wellen zertrümmert werden. Mit den mittelenergetischen Stoßwellen werden vor allem Verkalkungen in den oberflächlichen Sehnen oder Schleimbeuteln sowie die Pseudoarthrose behandelt. Aufgrund der Schmerzhaftigkeit dieser Behandlungsform ist eine Lokalanästhesie oder leichte Sedation des Patienten notwendig und es kann zu den oben genannten Hautirritationen kommen. Um das Therapieziel zu erreichen, sind meist ein bis zwei Behandlungen im Abstand von drei bis vier Wochen ausreichend. Die hochenergetische Therapie kann zur Zertrümmerung von Nierensteinen (Lithotripsie) und zur Behandlung von verzögerten Knochenbruchheilungen eingesetzt werden. Hierbei ist eine angemessene (tiefe) Sedation und Analgesie immer indiziert, in einigen Fällen wird sogar eine Allgemeinanästhesie benötigt. In der Regel reicht eine einmalige Behandlung, in deren Folge Hämatome in der Tiefe im Fokusbereich entstehen können. Eine Therapiesitzung dauert je nach Gerät und Indikation zwischen 10 und 25 Minuten. Schnewlin, M. und C. Lischer: Schweiz. Arch. Tierheilk., 143: 5, 227–232 Praktischer Tierarzt 82: 7, 502-503
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Anwendungsgebiete:
Insertionsdesmopathien
Sesamoidosen
Tendopathien
Stimulation von Knochenneubildung
Abtragen von Verkalkungen
degenerative Gelenkserkrankungen
Hüftdysplasie
Kissing Spines
Myositis
Schmerzausschaltung an myofaszialen Triggerpunkten
 
Wundheilungsstörungen

 

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(Behandlungen im Bodenseeraum vor Ort)